Prägende Eindrücke > 1. Teil: Prägearten

Die Prägung ist die Königin der Veredelung. Zu dem Thema gibt es zahlreiche Begriffe, die manchmal dasselbe Verfahren beschreiben. Erfahren Sie im ersten Teil des Tutorials, welche Prägearten es gibt.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Drucksachen zu veredeln, besonders in Kombination aus verschiedenen Veredelungsmöglichkeiten. Zu den mächtigsten, weil wirkungsvollsten Methoden, Drucksachen zu veredeln, zählen Prägungen. Dazu gibt es zahlreiche Beschreibungen im Internet, die nicht immer sonderlich hilfreich sind. Sehr umfangreiche, nicht vollständige oder schwer verständliche Informationen. Wir möchten das Wirrwarr vereinfachen und zeigen Ihnen im ersten Teil dieses Beitrages, warum Veredelungen so wertvoll sind und welche Prägearten es gibt. Im zweiten Teil erfahren Sie, wie Sie Druckdateien für die genannten Veredelungstechniken optimal vorbereiten.

Kennen Sie die Macht der Sinne?

Unsere Sinne sind, z. B. beim richtigen Einsatz von Veredelungen, sehr emotionale und empfängliche Adressaten. Optimal für werbliche Botschaften. Der wichtige Tastsinn beispielsweise begründet den sogenannten Haptikeffekt. Dieser Tastsinn (taktile Wahrnehmung) ist der mächtigste unserer Sinne, neben Sehen (visuelle Wahrnehmung), Hören (auditive Wahrnehmung), Riechen (olfaktorische Wahrnehmung) sowie Schmecken (gustatorische Wahrnehmung).

Muss man das wissen?

Wenn Sie in verantwortlicher Position im Marketing arbeiten, ja. Viele Kreative wissen gar nicht, dass es derart viele Möglichkeiten gibt, wenigstens zwei der hochempfänglichen menschlichen Sensoren und damit die so wichtige Aufmerksamkeit beim Adressaten direkt zu erreichen: die taktilen und visuellen Sensoren, Sehen und Fühlen also.

Wer diese Klaviatur beherrscht und responsestarke Kampagnen durchführt, erreicht damit nichts Geringeres als das wichtigste Anliegen eines jeden Marketingverantwortlichen: Interesse!

Die Grenzen digitaler Werbung

Der Tastsinn ist und bleibt als wichtigster Sinn eine Domäne von Print bzw. von veredelten Drucksachen. Fast immer, wenn Responsequoten von haptisch veredelten Mailingkampagnen analysiert werden, konnten deutlich bessere Ergebnisse festgestellt werden. Häufig sind es große Marken, die diesen Vorteil mit Unterstützung von Premiumagenturen zu nutzen wissen, um bei wichtigen Kampagnen das zu erreichen, was Onlinemarketing meistens nur ergänzen, aber nicht ersetzen kann: wahrhaftige Aufmerksamkeit – das Primärziel jeder Kampagne.

Neuromarketingexperte Olaf Hartmann „TOUCH! Der Haptik-Effekt“

Marketingexperte Olaf Hartmann. Herausgeber des Buches Touch! Der Haptik-Effekt

Marketingexperte Olaf Hartmann präsentierte dieses Jahr die zweite Auflage seines Fachbuches „TOUCH! Der Haptik-Effekt.“ Das Buch ist im Haufe-Verlag erschienen.

Falls Sie sich als Marketer dafür interessieren, welche unglaublichen Response-Effekte sich mit der richtigen Mischung aus Botschaft, Funktion und Veredelung von Drucksachen erzielen lassen, sei das Fachbuch des Experten für sensorisches und neuronales Marketing Olaf Hartmann empfohlen. Hartmann bezeichnet hochwertige Drucksachen in seinem 400 Seiten starken Fachbuch besonders inmitten der digitalen Revolution als „The next big Thing“. Je mehr Digitalität uns umgibt, desto stärker wird gerade der Wunsch nach analogen Erfahrungen.

1. Drucksachen prägen: Die Möglichkeiten

Wie erwähnt, zeigen wir Ihnen in diesem ersten Teil, welche Möglichkeiten und Varianten es beim Prägen gibt und im zweiten Teil, wie Sie Ihre Druckdatei für solche Effekte vorbereiten und anlegen. Beginnen wir mit vier Begrifflichkeiten, die selbst unter gut ausgebildeten Kreativen immer wieder für Verwirrung sorgen, wahrscheinlich da sie im allgemeinen Sprachgebrauch häufig nicht einheitlich verwendet werden.

1.1 Blindprägung – der Mutterbegriff


Blindprägung ist die älteste Technik der Drucksachenverzierung, auch als Einbandverzierung bezeichnet. Schon in der Spätantike wurden z. B. koptische Einbände blind geprägt. Die Technik ist bekannt:

Durch hohen Druck wird im Substrat (Papier, Pappe) entweder eine erhabene (hochgeprägte) oder vertiefende (tiefgeprägte) Verformung mit edlen und atemberaubenden Effekten erzielt.

Die markanteste Eigenschaft des Blindprägens ist, dass weder Farben noch sonstige Materialien eingesetzt werden, die z. B. mit dem Prägevorgang auf das Material gepresst werden, sondern lediglich hoher Druck. 

Darum wird Blindprägung auch als Farblosprägung bezeichnet.

Blindpressung bezeichnet Prägungen, die mittels großer Stempel oder Platten, also unter Einsatz maschineller Hilfsmittel durchgeführt werden, und Blinddruck steht für die rein handwerklichen Arbeiten dabei.

Grundsätzlich kann Blindprägung als Planprägung (1.2) oder Reliefprägung (1.3) durchgeführt werden, wie nachfolgend beschrieben:

1.2 Planprägung mit ebener Rückseite

Auch bei der Planprägung wird mittels Druck und einem Prägewerkzeug eine Verformung des Materials im Regelfall partiell vorgenommen. Darum ist die Planprägung eine Spielart der Blindprägung.

Die markanteste Eigenschaft der Planprägung ist, dass nur eine Seite geprägt wird – die Rückseite bleibt eben. 

Bei der Planprägung kommt anders als bei der Reliefprägung nur ein Werkzeug zum Einsatz.

Planprägungen können ohne Materialauftrag als Blind- oder mit Materialauftrag z. B. als Heißfolienprägung durchgeführt werden.

1.3 Reliefprägung: Erhabene Königin der Prägungen

Anders als beim Schwesterverfahren „Planprägung“ kommen nicht ein, sondern zwei Werkzeuge zum Einsatz, die von beiden Seiten mittels Patrize und Matrize auf das Papier pressen. Somit sind sehr präzise, vor allem jedoch sehr erhabene und filigrane Prägeeffekte zu erzielen. Kombiniert z. B. mit einem edlen Papier entstehen brillante und auffällige Muster. Solche Drucksachen stechen heraus und verfehlen ihre Wirkung beim Empfänger ganz sicher nicht.

Die markanteste Eigenschaft der Reliefprägung sind die im Gegensatz zur Planprägung beidseits gegenteilig (hoch- oder tiefgeprägten) Verformungen sowie die Detailgenauigkeit.

Das Verfahren wird auch als Hohlprägen bezeichnet.

1.4 Strukturprägung

Kein Wunder, dass es immer wieder zu Missverständnissen führt, liegen die Begrifflichkeiten doch so nahe beieinander. Das wird am Begriff „Strukturprägung“ nochmals deutlich – ein Begriff, der eine Spielart der Heißfolienprägung beschreibt. Strukturprägung kann sowohl eine Planprägung mit einem, aber auch eine Reliefprägung mit zwei Werkzeugen (Matrize als Form und Patrize als Gegendruckform) sein.

Die markanteste Eigenschaft der Strukturprägung ist, dass mittels Druck und Hitze strukturierte Folien (Transferschichten der Folie), deren Strukturen dem Prägewerkzeug (Prägestempel oder Prägewalze) entsprechen, auf das Trägermaterial (z. B. Papier) aufgebracht werden. 

1.5 Heißfolienprägung

Wie erwähnt, kommt eine Heißfolienprägung in verschiedenen Variationen zum Einsatz:

  • Heißfolien-Planprägung, bei der die Gegenseite kaum ausgewölbt ist. Je nach Material entsteht allenfalls eine kaum spürbare Tiefenprägung.
  • Heißfolien-Strukturprägung (vgl. 1.8, Microembossing), bei der feinste Verformungen durch die Strukturen im Prägewerkzeug entstehen.
  • Heißfolien-Reliefprägung, bei der analog zur Blindprägung (farblosen Reliefprägung) neben einer markanten Verformung an den verformten Stellen auch die Folie aufgetragen wird.

Die markanteste Eigenschaft dieser Methode ist die Ähnlichkeit zur Blindprägung, nur dass hierbei eine Folie während der Prägung übertragen wird.

Bei der Heißfolienprägung werden lichtundurchlässige Folien verwendet. Das darunterliegende Druckprodukt wird durch die Folien also partiell vollständig bedeckt.


1.6 Kaltfolienprägung

Dies ist ein Verfahren, bei dem die Folie auf ein Papier aufgeklebt wird. Im Gegensatz zur Heißfolienprägung sind keine hohen Temperaturen oder Werkzeuge erforderlich. Die Folie lässt sich bei der Kaltfolienprägung meist „inline“, also direkt nach dem Auftragen in der Maschine bedrucken. Damit sind unterschiedliche und im Vergleich zur Heißfolienprägung andere Effekte möglich.

Die markanteste Eigenschaft dieser Methode ist, dass die Kaltfolienprägung mit dem Motiv auf der Drucksache korrespondiert, da das darunterliegende Motiv auf der Drucksache durch die Folie zu sehen, die Folie also transparent ist.

In dieser Kombination entstehen im Vergleich zur Heißfolienprägung wiederum ganz eigene Effekte.

1.7 Prägefoliendruck

Dieser Begriff fasst die vorgenannten Begriffe Heiß- und Kaltfolienprägung sowie den nachfolgenden Begriff „Microembossing“ zusammen.

Heißfolienprägung silber.

Heißfolienprägung. Leicht erhaben, wie hier zu sehen z. B. zum Unterstreichen von Logos oder Texten.

1.8 Microembossing

Dieses Verfahren ist zwischen Plan- und Strukturprägung angesiedelt und wird mittels Heißfolienprägung durchgeführt. Durch spezielle Werkzeuge werden besonders filigrane Oberflächenstrukturen der Prägefolien erreicht. Der Bedruckstoff (meistens Papier oder Karton) wird nicht verformt.

Die markanteste Eigenschaft dieser Methode ist die Feinheit ihrer Struktur, die selbst im μm-Bereich liegen kann. Somit sind z. B. sogar holografisch wirkende geprägte Strukturen in der Folie möglich.

 

Microembossing, gold.

Microembossing (Strukturen der Gewänder etc.) in Kombination mit goldener Heißfolie auf kratzfester Achilles-Spezial-Matt-Folie.

 

Microembossing, Goldmünzen. Effekt.

Microembossing in Kombination mit goldener Heißfolie auf kratzfester Achilles-Spezial-Matt-Folie. Verblüffend echt imitiert und quasi zum (Be)Greifen nahe.


Nach dem gleichen Prinzip, aber dennoch mit ganz eigenen optischen Effekten wird das Licht aufgrund feinster Strukturen durch die feinstgeprägten Strukturen gebrochen.

1.9 Digitale Prägungen

Im Vergleich zu den anderen Methoden relativ neu ist das Verfahren der digitalen Prägung. Wir bieten z. B. die digitale Silber- oder Goldprägung an. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt im kostensparenden Verfahren, gerade für kleine Auflagen.


Sieb- und Belichtungskosten entfallen, Ideen lassen sich schnell umsetzen, auch als annäherndes Ansichtsmuster für größere Auflagen im Bereich Heißfolienplan- oder Strukturprägung, die der digitalen Gold- und Silberfolienprägung recht ähnlich sind. Zusätzlich können Sie auch Rot-, Blau-, Grün, Kupfer- oder Perlmuttfolienprägungen im digitalen Verfahren nutzen.

Zugleich können mit dieser digitalen Verarbeitung auch UV-Glanzlackeffekte mit der üblichen Methode (2-D) oder einer Methode, die wie Relieflack anmutet (3-D), realisiert werden.

Die markanteste Eigenschaft dieser Methode ist, dass dieses Verfahren einen rein digitalen Prozess beschreibt. Die üblichen Werkzeug- und Einrichtungskosten entfallen, womit besonders auch kleine Auflagen kostengünstig realisiert werden können.

1.10 Letterpress

Letterpress zählt nur am Rande zu dieser Sammlung moderner und effektvoller Prägungen. Dieses Verfahren ist in der Kategorie „klassischer Buchdruck“ angesiedelt und beschreibt im Regelfall Einzelstückanfertigungen in Handarbeit.

Meistens sind es kleine Manufakturen, die Letterpress anbieten, die sich der Kunst ihres Handwerks bewusst sind und teils auf uralten Maschinen aus Großvaters Zeiten setzen. Vom Verfahren ähnelt Letterpress den beschriebenen Prägungsarten. Buchstaben oder Grafiklinien werden im klassischen Bleisatz händisch gesetzt und mittels Druck und Druckfarbe (eine Farbe pro Durchgang) auf meistens dickere und sehr edle Papiere gepresst.

1.11 Relieflack


Dieses Verfahren hat mit der klassischen Prägung im vorgenannten Sinne nichts zu tun. Gleichwohl wirken Effekte teils ähnlich wie z. B. bei der klassischen Heißfolien-Reliefprägung. Das Ergebnis einer relieflackierten Veredelung ist durch die fehlende Prägung des Bedruckstoffes dennoch gänzlich anders. Natürlich lassen sich beide Veredelungsarten auf einer Drucksache auch kombinieren.

Die Reliefeffekte werden hier alleine durch die Auftragsdicke des Lackes erzeugt. 

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Sie einfach und sicher entsprechende Druckvorlagen für eine geprägte Drucksache anlegen können.

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