Prägende Eindrücke > 2. Teil: Druckdatei für Veredelungen erstellen

Im ersten Teil haben Sie erfahren, welche Prägearten es gibt oder wo sich Begrifflichkeiten überschneiden. In diesem Teil erfahren Sie, wie Druckdateien für Veredelungen richtig anzulegen sind.

Kann ich Veredelungen überhaupt selber machen?

Grundsätzlich ja. Es ist kein Hexenwerk. Soweit Sie mit InDesign oder Illustrator vertraut sind, ist die Erstellung einer Datei für eine Druckveredelung mit relativ wenigen Schritten zu realisieren:

Schritt 1: Öffnen

Nehmen wir an, Sie möchten ein Logosymbol auf einer Visitenkarte neben weiteren Informationen mit einer Heißfolien-Reliefprägung versehen. Die nicht zu prägenden Elemente haben Sie bereits mit einer entsprechenden 4-farbigen CMYK-Mischung angelegt, beispielsweise ein Schriftzug in Rot mit 50 Prozent Magenta und 50 Prozent Gelb.

Damit wir die zu veredelnden Elemente auch ansteuern können, legen Sie die Fläche, die mit Folienauftrag geprägt werden soll, mit einer gesonderten Farbe mit 100 Prozent Farbauftrag an.

  • Datei > Neu > Dokument:
    • Klicken Sie auf „Vorschau“. Das Menü „Neues Dokument“ (Abb. 1) und eine Vorschau (Abb. 2, 85 x 55 mm) sind zu sehen.
    • Ränder auf allen Seiten auf 2 mm. Die Vorschau zeigt eine innenliegende Linie. Schriften sollten innerhalb dieses Innenbereiches liegen, da ein großzügiger Abstand von Inhalten wie Text zur Schnittkante optisch deutlich besser wirkt. Sind Motive oder Schriften zu nahe an der Schnittkante, besteht zudem die Gefahr, dass sie angeschnitten werden.
    • Anschnitt (Beschnittzugabe) auf 2 mm. Farbige Hintergründe z. B. müssen über das geschnittene Endformat hinausragen, da das Motiv (in diesem Fall die Karte) im Regelfall in mehreren Nutzen auf einem weißen Druckbogen angelegt wird. Sog. weiße Blitzer werden vermieden.
    • Klicken Sie auf OK.
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 1: Einstellungen beim Öffnen von InDesign am Beispiel einer Visitenkarte.

 

Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 2: Zu sehen sind die Beschnittzugabe (äußere Linie = Anschnitt), das tatsächliche Druckformat (hier fährt die Klinge beim Schneiden durch das Papier) sowie der innenliegende Rand.


Schritt 2: Volltonfarbe anlegen

Jetzt legen Sie Ihr Motiv an: Schriften, Logos, Symbole oder was auch immer. Da das Dokument beim Öffnen auf das Zielmedium „Druck“ eingestellt war, ist der Farbmodus „CMYK“. Unser Beispiel zeigt ein mit Heißfolie zu prägendes orangefarbenes Symbol auf leicht gefärbtem Hintergrund.

Damit wir solche Veredelungen unabhängig von den bereits angelegten 4-farbigen Elementen ­ansteuern können, muss dafür eine Sonderfarbe angelegt werden.

  • Öffnen Sie das Farbfeld über Menü > Fenster > Farbe > Farbfelder
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 3: Fenster > Farbe > Farbfelder


  • Im Farbfeldmenü oben rechts auf > Neues Farbfeld
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 4: Im Menü Farbfelder „Neues Farbfeld“ auswählen.


  • Im Menü „Neues Farbfeld“ folgende Einstellungen:
    • Vollton, Farbraum CMYK.
    • Eine Farbe Ihrer Wahl, aber unbedingt 100 Prozent, z. B. Magenta oder eine HKS-Farbe XY.
    • Geben Sie der neuen Farbe einen eindeutigen Namen wie „VEREDELUNG“ (Abb. 5).
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 5: Farbe eindeutig benennen, z. B. „VEREDELUNG“. Volltonfarbe einstellen und Wert immer auf 100 % einstellen.

 

Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 6: Die neue Volltonfarbe erscheint im Menü Farbfelder.


Schritt 3: Zu veredelnde Ebene kopieren

  • Klicken Sie die zu veredelnde Ebene an.
  • Strg+c oder rechte Maustaste und im Kontextmenü „Kopieren“.
  • Wieder rechte Maustaste und im Kontextmenü „An Originalposition einfügen“.
  • Jetzt haben Sie bereits die Veredelungsfläche erstellt (Abb. 8).
  • Vergeben Sie auch für die neue Ebene einen eindeutigen Namen, z. B. „Veredelung“.
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 7: Strg+c oder rechte Maustaste und im Kontextmenü „Kopieren“, dann erneut rechte Maustaste und im Menü „An Originalposition einfügen“.


Schritt 4: Veredelungsfläche Volltonfarbe zuweisen, Ergebnis prüfen

  • Ebene auswählen und die zuvor angelegte Volltonfarbe zuweisen.
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 8: Unter „Ebenen“ ist die neue Ebene als Kopie der Ebene „Logo“ zu sehen. Diese kann durch Doppelklick z. B. in „Veredelung“ umbenannt werden.


Schritt 5

  • Im letzten Schritt über Fenster > Ausgabe > Attribute auf „Überdrucken“ stellen. Das bedeutet, dass die darunterliegende Fläche ebenfalls gedruckt und eben nicht ausgespart wird, also weiß bleibt. Besonders bei Lackeffekten ist das Ziel ja gerade häufig, einen zu druckenden Schriftzug mit einer Veredelung zu pointieren. Ansonsten würde die darunterliegende Fläche dort, wo Sie die Veredelung angelegt haben, ausgespart werden.
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 9: Fenster > Ausgabe > Attribute > Fläche überdrucken.


Zur Überprüfung der Einstellungen empfehlen wir:

  • Fenster > Ausgabe > Separationsvorschau
  • Dort sehen Sie den üblichen Vierfarbraum CMYK. Wenn Sie diese vier Prozessfarben abklicken, bleibt die für die Veredelung neu angelegte Farbe stehen.
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 10: Separationsvorschau. Soweit die CMYK-Ebenen abgeschaltet werden, ist hier nur die Sonderfarbe für die Veredelung zu sehen.


  • Um ganz sicher zu sein, klicken Sie im Menü Separationsvorschau auf das Feld mit den horizontalen Linien und öffnen den Druckfarbenmanager. Hier sollten Sie ebenfalls die fünfte, soeben neu angelegte Farbe sehen.
  • Unbedingt darauf achten, dass kein Häkchen bei „Alle Volltonfarben in Prozessfarben umwandeln“ gesetzt ist!
Screenshot Indesign. Veredelung richtig anlegen

Abb. 11: Druckfarbenmanager öffnen, oben rechts unter „Separationsvorschau“.


  • Datei > Exportieren > Dateiname und Speicherort vergeben und dann unter PDF-Vorgaben auf PDF X3 oder PDF X4 klicken – fertig.

Abschließende Hinweise:

  • Keine Verläufe anlegen, allenfalls sehr grob gerastert. Natürlich können wir beim Prägen oder Heißfolienprägen keine Schattierungen etc. umsetzen.
  • Keine Schriftinformationen. Ist die zu veredelnde Fläche ein Buchstabe, wählen Sie im Kopfmenü: Schrift > Schrift in Pfade umwandeln.
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